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Auf Königsspuren durch die Seealpen Skitourenaufenthalt im Val di Gesso

Ein königliches Schloss in einem abgelegenen Gebirgskessel und Schnee vom Mit-telmeer - das sind die Ingredienzien für einen Skitourenaufenthalt im Val di Gesso. Im äußersten Südwesten des Alpenbogens liegt dieses Bergtal südlich von Cuneo im Naturpark Seealpen im Piemont.

Von: Georg Bayerle

Stand: 23.03.2024

Auf Königsspuren durch die Seealpen | Bild: BR; Georg Bayerle

Von Cuneo ist es nicht mehr weit, dann wird die Straße hinein in die Seealpen immer schmaler. Kurz hinter Sant’Anna Valdieri ist dann Schluss, denn ab hier wird nicht mehr geräumt. Auto stehenlassen und zu Fuß weiter, hat der Hüttenwirt am Telefon gesagt, und so machen wir es auch. Es ist später Nachmittag, die Fahrt zu viert hat mal wieder länger als geplant gedauert. Telefonnetz gibt es jetzt keines mehr, zudem sehen wir fast nichts, denn nachdem es bis hoch hinauf geregnet hat, stecken wir jetzt im Nebel.

Geisteratmosphäre am Thermenhotel

Freundlicher Empfang vom Hüttenteam

800 Höhenmeter liegen vor uns, und der Hatscher ins Tal hinein in diesem fröstelnden alpinen Nichts zieht sich. Da tut es gut, dass ein Mensch schemenhaft auftaucht: Es ist Francesco aus dem Hüttenteam auf dem Weg hinab ins Tal. Er hat seine freien Tage. Aber gut zu wissen, dass jemand oben ist. Das trübe Tageslicht wird immer schwächer. Nur schemenhaft zeichnet sich der Riesenbau des im Winter geschlossenen Grandhotels der Therme von Valdieri im Nebel ab. Im Sommer muss es ein lauschiger Platz sein, den man mit dem Auto erreichen kann. Aber jetzt bei Nacht und Nebel wirkt es wie ein Spukschloss.

Das Schlösschen in der Wildnis

Das Schloss in den Bergen

Immer wieder müssen wir abschnallen, weil Bäche über den Weg strömen. Aber dann, über einer letzten Talschwelle, leuchtet es uns entgegen, erst ganz verschwommen, dann immer deutlicher mit seinen orange-gelb gebänderten Mauern und den Türmchen an den Ecken: Es ist das alte Jagdschloss von Italiens erstem König Vittorio Emmanuele, heute das Rifugio Valasco. Schlagartig wechselt die Atmosphäre, drinnen sitzt nur eine Handvoll Gäste, und das Hüttenteam wartet nur noch auf uns mit dem Essen.

Zum Einstieg eine Bagna Cauda

Marco, der Koch, hält sich immer an traditionelle Rezepte. Es gibt zwei Vorspeisen, dann einen ersten Gang und dann das Hauptgericht, immer aus regionalen Produkten. Polenta darf hier nicht fehlen, kräftige Bratensoßen, Nudeln mit einem Piemonteser Käse, Wintergemüse – und zur Begrüßung gleichmal eine „Bagna Cauda“. Barbara, die mit ihrem Mann auf Schneeschuhen heraufgestiegen ist, klärt uns auf: Die Bagna Cauda ist eine typische piemontesische Suppe mit ungeschältem Knoblauch, Sardellen, Olivenöl und allem möglichen, was der Winter so hergibt.

Skitouren im Uhrzeigersinn

In der Weite

Barbara ist mit ihrem Mann Constanzo unterwegs, sie leben nicht weit von hier an der ligurischen Küste. Aber es gefällt ihnen, im Schnee zu wandern, den es bei ihnen am Meer nicht gibt. Constanzo ist auf einer Insel aufgewachsen, aber er liebt die Berge. Das Hüttenteam bildet eine Gruppe junger Leute, die selber gern unterwegs sind: Skibergsteigen, Klettern, einfach alles. Im Sommer kommen viele Leute, aber im ruhigen Winter können sie auch mal selbst auf Tour gehen.

Das Rifugio Valasco steht in einer weitläufigen Ebene. Ringsum ragen in einem weiten Kranz die Berggipfel auf. Wir könnten sie im Uhrzeigersinn ablaufen, doch der Regen vom Aufstiegstag ist über Nacht zu einer pickelharten Eisschicht gefroren. Wir brauchen zwei Tage bis wir mit Tageszeit und Sonnenstand die bestmöglichen Routen finden. Unter den speziellen Bedingungen wird der Talkessel des Val di Gesso erst recht zu einem Entdeckergelände mit Spielmöglichkeiten ohne Ende.

Schlüsselstelle am Malinvern

Am zweiten Tag treffen wir einen Spezialisten für solche Situationen: den Schweizer Bergführer Peter Lötscher. Er ist nur für eine Nacht auf der Durchreise da, denn er führt eine Gruppe auf einer Trans Alp Ski durch die Alpen - jedes Jahr ein Teilstück, jeweils eine Woche lang. Diesmal hat sie die Route quer durch den Alpenbogen auch an diesen besonderen Platz geführt.


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